NÜRNBERGER Cup 2017 (6) - Sonderausgabe zum Putintseva-Drama

Nachdem es an Tag 6 vor ausverkauftem Hause lange danach aussah, als seien die fünf vergebenen Matchbälle von Carina Witthöft das Thema des Tages, so änderte sich dies im Verlaufe der zuletzt angesetzten Partie zwischen Yulia Putintseva und Sorana Cirstea.

Dabei fing die Begegnung zunächst harmlos an. Lediglich mit dem Zustand des Platzes schienen beide Spielerinnen nicht ganz glücklich, was sie ab und zu auch Schiedsrichterin Miriam Bley kundtaten.

Diese sollte noch deutlich mehr Arbeit bekommen. Im zweiten Satz mitten im Aufschlagsspiel hatte Putintseva Probleme mit ihrem Haarband und richtete dies daraufhin neu, obwohl sie eigentlich hätte aufschlagen müssen. Für Miriam Bley ein klarer Fall von Zeitüberschreitung und für Putintseva die Frage "why do you give me a warning for this ?". Bley daraufhin "because you are too slow", worauf Putintseva erwiderte "I have never been too slow". So entwickelte sich eine wunderbare "Freundschaft" zwischen beiden, die längst nicht ihren Höhepunkt erreicht hatte.

Diesem ging es langsam ab 20:45 Uhr entgegen. Putintseva war beim Stande von 3:3 der Meinung, dass es definitiv zu dunkel zum spielen sei und Miriam Bley doch bitte den Supervisor rufen möge. Bley bestätigte Putintseva, dass sie dies beim nächsten Seitenwechsel tun würde. Putintseva bestand zwar darauf, dass dies sofort zu geschehen habe, doch die Schiedsrichterin ließ sich nicht umstimmen.

Kurz darauf die nächste Kuriosität. Bei 40:40 läuft Putintseva zu ihrem Stuhl mit den Worten "I have pain in my leg, I need the trainer". Bley war damit alles andere als einverstanden und erklärte, dass dies nur beim Seitenwechsel möglich wäre (außer vielleicht bei Laura Siegemund in Charleston...), doch Putintseva blieb hartnäckig. "When I have pain in my foot you have to call the trainer anytime I want". Bei Miriam Bley stieß sie allerdings auf taube Ohren. Als sich im Publikum langsam ein gällendes Pfeifkonzert breit machte, wurde die Kasachin ungehalten und warf diesem ein "shut up" entgegen, was dieses mit noch mehr Pfiffen quittierte.

Letztlich ging es doch weiter. Putintseva macht daraufhin das Spiel zum 4:3 und dann kam - tatsächlich - ein Medical timeout von Putintseva mit allem drum und dran inklusive schmerzhafter Gesichtsausdrücke.

Auch sämtliche Verantwortliche waren mittlerweile eingetroffen. WTA-Supervisor Martina Lutkova, WTA-Referee Sabine Schulz und Turnierdirektorin Sandra Reichel schauten sich ein Schauspiel an, das seinesgleichen in fünf Jahren Turniergeschichte suchte.

Gegen 21 Uhr wurde die Partie bei Aufschlag Cirstea erneut aufgenommen. Doch Putintseva schien wieder keine Lust zu haben und deutet der Schiedsrichterin an, dass es definitiv zu dunkel zum spielen sei (was mittlerweile dank ewiger Diskussionen und Fake-MTOs auch stimmte). Cirstea meckerte daraufhin ihre Gegnerin an "what do you want now ?"

Den Tiefpunkt der Geschichte lieferte nach dem 15:0 für Cirstea ein Zuschauer, der die Worte "Yulia, you f***ing c**t" rief, was Schiedsrichterin Miriam Bley dazu veranlasste, das Publikum in aller Deutlichkeit zu ermahnen. Die letzten Punkte für Cirstea bis zum 4:4-Ausgleich wurden verständlicherweise frenetisch bejubelt, ehe das Match nach einer Gesamtspielzeit von 2:42 Stunden unterbrochen und auf Freitag, 12:30 Uhr angesetzt wurde.

Zu ihrer eigenen Sicherheit wurde Putintseva in Windeseile von der Security abgeführt, da mittlerweile mehrere Zuschauer offen ihren Unmut über das Verhalten des Kasachin geäußert hatten und man verhindern wollte, dass jemand auf dumme Gedanken kommt.

Die Ergebnisse von Tag 6:

Einzel, Viertelfinale:

Kiki Bertens (1) - Alison Riske (5) 6:4 6:3
Misaki Doi - Yaroslava Shvedova (7) 6:4 ret.
Barbora Krejcikova (Q) - Carina Witthöft 3:6 6:3 7:6(2)
Yulia Putintseva (2) - Sorana Cirstea 6:3 3:6 4:4 susp.

Doppel, Halbfinale:

Flipkens/Larsson - Klepac/Martinez Sanchez 1:6 6:1 10-8

Doppel, Viertelfinale:

Chuang/Doi - Duque-Marino/Hibino 7:6(5) 6:7(4) 10-6